Die Grundprinzipien der Montessori-Pädagogik

Der absorbierende Geist
Der absorbierende Geist ist eine wunderbare Gabe des Kindes. Ohne bewusste Anstrengung, nur indem es "lebt", nimmt das Kind alles auf was es umgibt. Dies geschieht völlig unblockiert, vergleichbar mit einem Schwamm, der sich vollsaugt. Durch diese Gabe ist das Kind zum Beispiel in der Lage, ein solch komplexes Gebilde wie unsere Sprache zu erlernen.
Vergleicht man das Phänomen des absorbierenden Geistes mit einem Fotoapparat wird deutlich, das auch die Ruhepausen von großer Bedeutung sind. Genauso wie der Film in einem dunklen Raum entwickelt und fixiert werden muss, braucht auch das Gehirn Ruhe, um die aufgenommenen Bilder in der Dunkelheit des Unbewussten verfestigen zu können. Davon wird nach außen hin nichts sichtbar. Erst wenn sich die geheimnisvolle Entwicklung vollzogen hat, tritt das Erlernte ans Licht des Bewusstseins und bleibt mit all seinen Einzelheiten unauswischbar darin verankert.

 

Die Polarisation der Aufmerksamkeit
Als Polarisation der Aufmerksamkeit bezeichnet Maria Montessori eine besonders tiefe, langanhaltende Konzentration, die sie bei allen Kindern, mit denen sie gearbeitet hat, beobachten konnte.
Dieses Phänomen tritt auf, wenn sich ein Kind aus sich selbst heraus für eine Arbeit entscheidet und für diese gerade ein besonderes Interesse zeigt. Dann kann man beobachten wie dieses Kind ganz in die Ausführung dieser Arbeit versinkt und durch nichts, was um es herum geschieht, abzulenken ist. Wenn es dann, nach möglicherweise vielen Wiederholungen seiner Arbeit, diese beendet hat, kann sich das Kind mit einem Ausdruck von großer Zufriedenheit wieder anderen Dingen zuwenden.

 

Die sensiblen Phasen
Als sensible Phase bezeichnet Montessori die extreme Lernbereitschaft des Kindes für einen bestimmten Bereich wie zum Beispiel Sprache, Zahlen, Bewegung oder Sozialverhalten. In solch einer Phase kann das Kind eine bestimmte Sache mühelos und spielerisch erlernen.
Wird diese Phase verpasst, muss sich das Kind für die Erreichung des gleichen Ziels sehr viel mehr anstrengen. Aus diesem Grund ist die gezielte Beobachtung durch den Erzieher besonders wichtig, der sich bemüht, die jeweils aktuelle sensible Phase zu erkennen und dem Kind die dem entsprechenden Angebote zu machen.

 

Die vorbereitete Umgebung
Die vorbereitete Umgebung ist ein ganz wesentlicher Aspekt in der Montessori-Erziehung.
Um dem Kind die Möglichkeit zu geben, sich seinem individuellen Potential entsprechend zu entwickeln, ist es wichtig, dem Kind eine ansprechende, motivierende Umgebung zu schaffen. In dieser Umgebung sollte das Kind das Material, den Raum und die Ruhe finden, um sich seinem eigenen Tempo entsprechend entwickeln zu können.
Wie schon erwähnt spielt der Erzieher dabei als Beobachter (nicht als Macher) eine besondere Rolle, wobei auch seine Vorbildfunktion von großer Bedeutung ist.